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Silvesterpredigt
31. Dezember 2009 Geistlicher Jahresrückblick
Januar
Unsere Sternsinger beteiligen sich wieder erfolgreich an der größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. “Höre auf, traurig zu sein. Genieße dein Leben. Es gibt wahrscheinlich keinen Gott”. Die von militanten Atheisten gemieteten Werbeflächen auf Londoner Bussen sorgen für Aufregung und Nachdenken. Wo stehen wir? Unser Papst kommt vier Lefebrve-Bischöfen entgegen. Einer von ihnen sagt: In Auschwitz hat es überhaupt keine Massenmorde an Juden gegeben. Entsetzen. Wo stehn wir, und wollen wir da stehen?
Februar
Ganz Europa schaut auf Italien. Dort liegt Eluana Englaro im Wachkoma. Soll man sie sterben lassen? Die Entscheidung fällt gegen das Leben. Manche fragen: Gegen welch ein Leben?
Aus welchen Werten lebt unsere europäische Gesellschaft? Die Abwrackprämie belebt kostspielig die Konjunktur und unterstreicht, dass Altes zu entsorgen ist.
März
Ein kleines Städtchen namens Winnenden bekommt traurige Berühmtheit. Was geht einem Menschen durch den Kopf, wenn er wahllos Menschen erschießt? Umgekehrt: Was ist los mit einer Gesellschaft, in der die Gewaltverherrlichung - sei es in Computersielen, sei es in Videos und wo auch immer - immer weiter voranschreitet?
April
Die beiden großen Kirchen haben in Berlin dafür gestritten, dass es wieder ordentlichen Religionsunterricht geben sollte. Sie verlieren. Es soll nur allgemein Unterricht für Werte und Normen geben. Und wer gibt die Normen, wer setzt die Werte?
61 Kinder empfangen zum ersten Mal die Heilige Kommunion.
Mai
“Mensch ist dein Name”. Dieses Leitwort hat unsere Sozialstation, die ihr 25-jähriges Jubiläum feiern kann.
“Mensch, wo bist du?” lautete die Frage. Die Antwort war: Auf dem evangelischen Kirchentag in Bremen. Auch viele von uns waren dabei. Und eine ganze Menge religiös Interessierter Deutscher mehr als bisher kennt die Kreativität unserer Dekanatsjugend, die frische Musik der Churchies und den leckeren Geschmack der Binghäuser Kartoffelpfannekuchen.
Juni
“Heile die Welt”, so hatten Fans ihrem Pop-Idol Michael Jackson Plakate entgegengehalten. Sein mysteriöser, einsamer Tod beantwortet für viele die Frage, ob Ruhm ein menschliches Leben sinnvoll macht. Tausende erinnern sich an sein Lied : I Just Can't Stop Loving You .
Die Fronleichnamsprozession nimmt die Worte des Apostels Paulus auf: “Glaube - Hoffnung - Liebe”. Das Paulus-Jahr hat uns viele gute Anstöße gegeben. Wie sagt Paulus? “Prüft alles, du Gute behaltet.”
Anlässlich der Europa-Wahlen erinnern wir uns an die christlichen Wurzeln.
Juli und August
Ferien. Im Gemeindeverbund geht es nach Ameland, nach Essen bei Quakenbrück, nach Wöpse bei Bruchhausen-Vilsen, nach Verden. Und über 40 Jugendliche und junge Erwachsene opfern ihre Freizeit für mehr als 200 Kinder. Dafür stehen sie. Und die kath. Kindertagesstätten St. Anna haben nun eine neue Einrichtung: Die KiTa St. Marien mit Gruppen an der Steller Straße, in Marhorst und der Waldkindergarten.
September
Twistringen feiert ein wunderschönes Gemeindefest. In Marhorst wird Solidarität gelebt: Der Tennisweltrekordversuch mit 33 Stunden und 33 Minuten gelingt, wird aber schon bald überboten. Gewinner bleiben vor allem die Kinder.
Schwarz und Gelb gewinnen die Wahl. Die hell-roten fallen in ein Tief, die dunkelroten 20 Jahre nach dem Fall der Mauer genießen den Aufwind.
In Kundus werden zwei Tanklastzüge angegriffen. Viele zivile Opfer. “Der erste Verlierer des Krieges ist die Wahrheit”. Diese Erkenntnis des von Clausewitz gilt leider auch für Deutschland. Wo stehen wir?
Oktober.
Margot Käßmann wird die leitende Bischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es gibt Hoffnung in der Ökumene für ein weiteres Zusammenwachsen.
Europa wächst zusammen. Nachdem auch Irland zugestimmt hat, wird der Weg frei für den neuen EU-Vertrag.
Auch unser Gemeindeverbund hat überlegt, die nächsten Schritte des Zusammenwachsens zu gehen. Eine Steuerungsgruppe empfiehlt, ab dem 1. Januar 2011 eine Pfarrei zu werden. Der Pfarrgemeinderat und die Kirchenvorstände stimmen der Absicht zu. Es bleiben die Kirchen und die Gemeinden St. Anna in Twistringe, St. Ansgar in Bassum, Christ-König in Harpstedt und St. Marien in Marhorst. Bis Mitte des Jahres wird geprüft, ob das geht. Nach einer Klausurtagung Ende Januar sollen auch die Gemeinden umfassend informiert werden. Wir wollen versuchen, die Verwaltung zu vereinfachen und das Miteinander zu fördern. Wir haben viel vor..
November
“Wir haben alles versucht. Wir dachten, mit Liebe geht das.” Diese Worte Teresa Enkes gingen durch Deutschland und durch die halbe Welt. “Fußball ist nicht alles”, wird der Präsident des DFB sagen. Und Bischöfin Käßmann schloss ihre Predigt: “Über die Schwelle des Todes hinaus können wir Robert Enke nicht begleiten. Aber wir dürfen der Zusage vertrauen, dass Gott uns über diese Schwelle trägt und auch Robert Enke bei ihm geborgen ist. Sodass auch auf diesem letzten Weg gilt: You'll never walk alone.” Gemeinsam freuten sich 56 Jugendliche und junge Erwachsene über die Firmung.
Dezember
Das Bundesverfassungsgericht stoppt die Berliner Praxis, an allen Sonntagen im Advent die Geschäfte offen zu halten. Nach vielen Niederlagen ein kleiner Sieg für christliche Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft. Höhepunkte: Eine musikalische Andacht in Twistringen und eine Radiomesse in Marhorst. So schön kann Advent sein. Gut besuchte Weihnachtsgottesdienste, vor allem am Heiligen Abend.
Vorbei ein Jahr mit so viel Schönem, aber auch so viel Leid. Viele Verstorbene, darunter auch viele ganz tragische Fälle. Viele Ehejubiläen, und auch wieder ein wenig mehr grüne Hochzeiten.
Auch diese Zeit ist Gottes Zeit. Wir nehmen sie an. Wir dürfen sie mitgestalten, auch im kommenden Jahr.
Dag Hammarskjöld sagte: Für das Gewesene Dank, für das Kommende Ja. Dieses aus dem tiefen Glauben wurzelnde Bekenntnis hilft uns, auch 2010 da zu stehen, wo wir gebraucht werden.
Reinhard Molitor
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